Wahlpodium im Gewölbekeller: persönliche Einblicke im besonderen Rahmen
- Damian Louis
- 8. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Im Hof zu Wil trafen sich alle fünf Kandidierenden zur Podiumsdiskussion im Vorfeld der Ersatzwahl für Stadtpräsidium und Stadtrat. Der gut besuchte Abend bot persönliche Einblicke und eine sachliche, ruhige Diskussion in besonderer Atmosphäre.

Der historische Gewölbekeller im Hof zu Wil war am Mittwochabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Sitzplätze entlang der langen Tische reichten nicht aus; weitere Interessierte verfolgten das Geschehen von der Treppe aus. Der grosse Andrang sorgte für eine spürbar lebendige Atmosphäre, ebenso wie die überraschend durchmischte Altersstruktur des Publikums, in dem auch jüngere Menschen vertreten waren.
Am Podium traten alle fünf Kandidierenden auf: Thomas Abbt (Die Mitte) und Lukas Reimann (SVP) kandidieren für den Stadtrat. Michael Sarbach (Grüne Prowil) kandidiert für das Stadtpräsidium und muss dafür auch in den Stadtrat gewählt werden. Die bisherigen Stadträte Andreas Breitenmoser (Die Mitte) und Jigme Shitsetsang (FDP) treten ebenfalls für das Stadtpräsidium an und wollen damit die Nachfolge von Hans Mäder übernehmen. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von David Hugi, organisiert wurde sie von der GLP Wil gemeinsam mit Wil24.

Zum Auftakt wurden die Kandidierenden nach ihrem Lieblingsort in Wil gefragt – eine bewusst einfache Einstiegsfrage, die den persönlichen Zugang zum Abend prägte. Thomas Abbt nennt die Kaiserlinde als seinen Lieblingsort, einen Ort der Ruhe mit Weitblick über die Region. Lukas Reimann wählt das Känzeli, das er mit Übersicht und Perspektive verbindet. Michael Sarbach sieht die Altstadt als seinen Lieblingsort, das «Herz der Stadt» für Begegnung und Kultur. Andreas Breitenmoser nennt ebenfalls das Känzeli mit Blick bis zu den Alpen als seinen bevorzugten Ort. Jigme Shitsetsang entscheidet sich für die Altstadt, die für ihn ein lebendiger Treffpunkt mit persönlichen Erinnerungen ist.

Insgesamt stand das Format stark auf Austausch und persönliche Einblicke ausgerichtet,
weniger auf harte politische Konfrontation.
Für einen persönlichen Akzent sorgte im Anschluss ein besonderes Format-Element: Jeder Kandidierende brachte einen Gegenstand mit, der eine persönliche Bedeutung hatte,
und stellte diesen kurz vor.
Thomas Abbt brachte seine Wanderschuhe mit. Lukas Reimann präsentierte die Mütze des Wiler Hofnarren. Michael Sarbach stellte eine grosse Wiler Fahne vor, die er als Hochzeitsgeschenk erhalten hatte. Jigme Shitsetsang brachte die Wiler Elefantendame „Wilma“ mit, die lokal einen hohen Wiedererkennungswert hat. Andreas Breitenmoser zeigte ein historisches Schweizer Nationaltrikot aus dem Jahr 1994.



Die besondere Atmosphäre im Gewölbekeller prägte den Abend deutlich und sorgte für einen ruhigen, konzentrierten Rahmen. Wer an diesem Abend gehofft hatte, die Kandidierenden stärker auf die Probe zu stellen, wurde enttäuscht – der Ton blieb durchwegs sachlich und zurückhaltend, harte Konfrontationen blieben aus. Wie es ein Beobachter treffend formulierte: „Der Abend hatte etwas von einem gemütlichen Weihnachtsessen im Familienkreis: Man sitzt zusammen, es ist freundlich, vertraut – aber die wirklich heiklen Themen bleiben bewusst aussen vor.“ Genau diesen Charakter hatte der Abend: ruhig, beinahe harmonisch, ohne dass einzelne Kandidierende wirklich auf die Probe gestellt wurden. Am Ende bleibt der Eindruck eines Abends, der mehr war als eine politische Pflichtveranstaltung. Der Hof zu Wil wurde zur Bühne für eine seltene Form der Nähe zwischen Politik und Publikum. Kein lauter Wahlkampf, kein harter Schlagabtausch – aber ein Anlass, der gerade durch seine Ruhe und Direktheit wirkt.




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